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Gemeinsam für mehr Effizienz – das An-Institut Neue Effizienz

von Jochen Stiebel und Andreas Helsper
stiebel{at}neue-effizienz.de, helsper{at}neue-effizienz.de

Jochen Stiebel
Andreas Helsper

Das Bergische Städtedreieck ist traditionell geprägt durch einen hohen Anteil produzierender Unternehmen, vor allem im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen. Gerade für diese ist gelebter Umweltschutz und die Kopplung von Innovation, Effizienz und Nachhaltigkeit von großer Bedeutung – ohne häufig genau zu wissen, wie sie vorgehen sollen und welche Maßnahmen ideal zum eigenen Betrieb passen. Das regionale Programm Ökoprofit zeigt seit 15 Jahren beispielhaft, dass es Bedarf an Beratung und Vernetzung gibt. Gleichzeitig gibt es in der Wissenschaft viele Ideen und Projekte, um nachhaltiger mit Ressourcen umzugehen.

Die Region hat das erkannt und ein Netzwerk initiiert, in dem die richtigen Menschen zusammengebracht werden – die Neue Effizienz. Zum Aufbau des Netzwerks wurde 2012 eigens die Bergische Gesellschaft für Ressourceneffizienz gegründet, wobei die Wuppertaler Stadtwerke die führende Rolle in der Startphase übernommen haben. Die Gesellschafter setzen sich aus verschiedenen Teilen der Bergischen Wirtschaft, der örtlichen Energieversorger, der Universität Wuppertal sowie den regionalen und lokalen Wirtschaftsförderungsgesellschaften zusammen. Seit 2013 ist die Gesellschaft auch als An-Institut der Bergischen Universität anerkannt. Wissenschaftlicher Direktor ist Prof. Dr.-Ing. Markus Zdrallek, Leiter des Lehrstuhls für Elektrische Energieversorgungstechnik an der Bergischen Universität Wuppertal.

Die Neue Effizienz bündelt Forschung, Beratungsangebote sowie Netzwerkarbeit unter einem Dach. Neben ÖKOPROFIT gibt es mit den Energie-Effizienz-Netzwerken EcoBilanz und Mission E ein erweitertes Portfolio an Beratungsangeboten für Unternehmen und Verwaltungen. Immer wichtiger wird jedoch die Orientierung in Richtung Wissenschaft. Die enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Lehrstühlen der Bergischen Universität ist dabei grundlegend. Die Neue Effizienz organisiert regelmäßig Kongresse und Workshops, wie „Herausforderung Energie“, die „Wuppertaler Wärmeschutztagung“ oder „Sustainable Insights“. Zudem ist das Institut an Forschungsprojekten beteiligt. Die Rolle als Projektpartner ist es dann, eine Anwendungsorientierung herzustellen und die Brücke zwischen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Belangen zu schlagen.

Den Auftakt der Projekte, an denen die Neue Effizienz selbst als Partner direkt beteiligt ist, bildet „Happy Power Hour II“. Erforscht werden soll, inwieweit sich in mittelständischen Industrieunternehmen Verbräuche flexibilisieren lassen, um dynamische Stromtarife zu nutzen. Dies führt zu einer besseren Integration der erneuerbaren Energien. Denn: Strom soll genau dann verbraucht werden, wenn die Sonne scheint und Wind weht.

Die Identifikation von Potenzialen bei Unternehmen ist auch der Ansatz eines weiteren Projektes, bei dem der Beratungsansatz für das betriebliche Mobilitätsmanagement auf die regionale Ebene übertragen und Potenziale und Synergien in Quartieren entdeckt und genutzt werden. Aufgabe der Neuen Effizienz ist es, die Schnittstelle in die regionale Wirtschaft zu organisieren. Koordiniert wird das Projekt durch das Wuppertal Institut.

Um Mobilität geht es auch beim BOB. Das Kürzel steht für „Batterie-Oberleitungsbus“, einen neuartigen O-Bus-Typ, der als rollende Batterie in der Lage ist, während der Fahrt nachzuladen und auch ohne ständige Verbindung zur Oberleitung unterwegs zu sein. Ziel ist die Sektorkopplung von Mobilität und Energie. Hierzu wird das Solinger O-Bus-Netz – das größte Deutschlands – mit dem städtischen Stromverteilnetz verknüpft. Dies ist in der Bundesrepublik so bisher einzigartig. Bei dem Projekt übernimmt die Neue Effizienz die Rolle des Projektkoordinators und erforscht Anwendungsszenarien sowie neue Geschäftsmodelle, die sich aus der Sektorkopplung ergeben.

Wärme geht in Industrie, Gewerbe und Haushalten oftmals ungenutzt verloren und gilt als Abfallprodukt – dabei liegt darin viel energetisches Potenzial. Im Projekt „THEAsmart – Thermische Energierückgewinnung aus Abwärme durch Smart Material“ werden deshalb Formgedächtnismetalle weiterentwickelt, um herauszufinden, wie diese Wärme genutzt werden kann. Diese Metalle haben die Eigenschaft, bei Einwirkung einer bestimmten Temperatur eine vorgegebene Form anzunehmen – und Bewegungsenergie freizusetzen. So können zum Beispiel elektrische Generatoren oder mechanische Antriebe betrieben werden – zur Verbesserung der Energieeffizienz in Industrieunternehmen, Gewerben oder Haushalten. Die Neue Effizienz koordiniert das Konsortium, bestehend aus der Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoffe e.V. (FGW) (ebenfalls An-Institut der Bergischen Universität Wuppertal), der Hochschule Bochum, der Dörschler GmbH aus Remscheid und der BLECO Apparatebau GmbH aus Greven.

Die Transformation der Städte ist für die Neue Effizienz ebenfalls ein wichtiges Thema. Gemeinsam mit dem Zentrum für Transformation und Nachhaltigkeit „TransZent“, einem Forschungszentrum der Bergischen Universität, dem Wuppertal Institut und der Utopiastadt hat sie die Transformationsstadt als Plattform gegründet, um gemeinsam Projekte zu initiieren. Im ersten Projekt geht es darum, ein benutzerfreundliches, offenes Datensystem zu entwickeln, mit der Bürgerinnen und Bürger selbst forschen können („Transformationsstadt – BürgerInnen forschen für ein Gutes Leben“).

Auch die eigentliche Netzwerkarbeit geht weiter. Ziel des Projektes „Innovationsnetzwerk GreenTec und Ressourceneffizienz – Chancen aus Industrie 4.0 und Smart City“ ist es, in der Region weiterhin engagierte Menschen zusammenzubringen. Mit verschiedenen Veranstaltungsformaten organisiert die Neue Effizienz nicht nur eine Plattform für Ideen, sondern möchte auch herausfinden, was in der Region am Besten funktioniert. Mit Prof. Dr. Christine Volkmann von der Bergischen Universität (UNESCO-Lehrstuhl für Entrepreneurship und Interkulturelles Management) bietet die Neue Effizienz in diesem Rahmen regelmäßige Unternehmerfahrten an, um verschiedene unternehmerische Ökosysteme zu erkunden. So ging es im November unter dem Motto Digitalisierung und Smart Cities nach Hamburg. Die Studierenden eines Masterseminars bearbeiteten dazu in ihren Seminararbeiten konkrete Fragestellungen regionaler Unternehmen.

Die Neue Effizienz lädt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein, gemeinsam an Ideen zu arbeiten. Das Innovationsnetzwerk bildet hierzu eine wichtige Plattform!

www.neue-effizienz.de

Ein besonderes Highlight war bisher der Kongress Sustainable Insights, den die Neue Effizienz mit Prof. Dr. Christine Volkmann und ihrem Team organisiert hat. Im Jahr 2015 kamen erstmals über 100 Studierende nach Wuppertal, um sich über nachhaltige Unternehmen zu informieren und in sogenannten Case Studies regionaler Unternehmen selbst eigene Ideen zu entwickeln. Im zweiten Jahr waren es – unter Schirmherrschaft der damaligen Wissenschaftsministerin Svenja Schulze – sogar knapp 130 Studierende zum Thema Transformation und Stadtwandel. In Themenforen zeigten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Bergischen Universität, dass es hierzu viele Kompetenzen in unterschiedlichen Disziplinen gibt. Weitere Informationen: www.sustainable-insights.de