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Alter, Gesundheit und Beschäftigung

von Prof. Dr. Michael Scheffel
Prorektor für Forschung, Drittmittel und Graduiertenförderung 

Prof. Dr. Michael Scheffel.

Es ist längst kein Geheimnis mehr: Wir leben in einer immer älter werdenden Gesellschaft. Knapp ein Drittel unserer Bevölkerung hat ein Alter von sechzig Jahren oder mehr erreicht, fast vierzig Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland sind schon heute mindestens fünfzig Jahre alt. Das bleibt inmitten einer sich immer schneller verändernden Welt nicht ohne soziale und ökonomische Konsequenzen. Was im Einzelnen aus dieser demographischen Entwicklung folgt und wie ein entsprechender Wandel sich möglichst gut bewältigen lässt, erforschen zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Bergischen Universität aus unterschiedlichen Perspektiven. Eine exemplarische Auswahl ihrer Forschungsprojekte stellt das neue Themenheft von BUW.OUTPUT unter dem Titel „Alter, Gesundheit und Beschäftigung“ vor.

Die erste repräsentative Kohortenstudie in Deutschland zu den Zusammenhängen von Arbeit, Alter, Gesundheit und Erwerbsteilhabe ist die lidA-Studie („leben in der Arbeit“), die das Fachgebiet Arbeitswissenschaft an unserer Universität betreut. Mit ihr wird zunächst einmal eine wichtige Datenbasis als Voraussetzung für weitere Untersuchungen und systematische Überlegungen geschaffen. Eine der grundlegenden Fragen in diesem Zusammenhang, nämlich warum Menschen wann in den Ruhestand gehen (wollen), nimmt der erste Beitrag unseres Heftes genauer in den Blick.

Mobilität zählt zu den Voraussetzungen von Lebensqualität im Alter. Zur schönen neuen Welt künftiger Mobilität gehören jedoch Veränderungen, die gerade ältere Menschen leicht überfordern. Hier setzt das Projekt „Demografischer Wandel und Verkehrsraum der Zukunft“ an, das aus ingenieurwissenschaftlicher Perspektive verfolgt und am praktischen Beispiel einer neuen Art von Rollator vorgestellt wird. Ein weiterer Beitrag aus der Politikwissenschaft gilt dem zunehmenden
Bedürfnis des grundsätzlich als ein „unternehmerisches Selbst“ gedachten modernen Menschen nach Mitsprache auch in Gesundheitsfragen. Aus ökonomischer Sicht wird außerdem reflektiert, welche konkreten Möglichkeiten und Spielräume bestehen, um die Versorgung in Pflegeeinrichtungen zu verbessern oder auch die Lebensarbeitszeit im Allgemeinen zu verlängern. Warum der Stress, den viele Menschen mit Arbeit verbinden, nicht nur negative, sondern auch positive Seiten hat, und warum er sogar lebenserhaltend wirken kann, erläutert ein Beitrag aus dem Blickwinkel von Psychologie und „pädagogischer Diagnostik“.

Neben Nachrichten aus der Welt der Forschung bietet unser Heft schließlich ein Porträt des „Wuppertaler Instituts für Unternehmensforschung und Organisationspsychologie“ (WIFOP). Zusammen mit den Stadtsparkassen Wuppertal, Remscheid und Solingen wird von diesem in der „Schumpeter School of Business“ angesiedelten Institut zum Beispiel ein regionales Konjunkturbarometer als praxisnahes Instrument zur Erfassung der wirtschaftlichen Entwicklung im Bergischen Städtedreieck zur Verfügung gestellt. Auch in diesem Fall ist ein wichtiger Antrieb des wissenschaftlichen Handelns, den gegenwärtigen Wandel in der Arbeitswelt besser zu verstehen und zugleich möglichst wirksame Gestaltungskonzepte zu entwickeln.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern eine anregende Lektüre!